Menschen freuten sich auf die Entspannung am Wochenende. Sie saßen in Restaurants und Cafés.  Junge Leutewaren in einem Tanzsaal bei einem Rockkonzert. Viele saßen im Stadion und verfolgten  das Fußballspiel  zwischen Frankreich und Deutschland.  Dann begannt an all diesen Orten ein Blutbad – ein durchorganisierter Massenmord. Völlig willkürlich wurden Menschen erschossen oder in die Luft gesprengt. Die Terroristen, die das  zu verantworten hatten,  kannten nur einen Feind:  Uns alle.  Sie hassten unsere Kultur, die auf Freiheit, Liebe und Achtung der Einzigartigkeit und Andersartigkeit aller Menschen beruht, und zwar unabhängig von Rasse, Religion und Lebensform. Sie und andere wollen mit ihrem Terror einen islamischen Gottesstaat errichten.  Aber sie werden Gott nie auf ihrer Seite haben.  Auch die meisten Muslime blicken mit Abscheu auf diese selbsternannten Gotteskrieger. Eine bange Frage frisst sich nun  in unsere Seelen: „Wann passiert so ein Terroranschlag zum ersten Mal bei uns in Deutschland? Wann sind wir oder unsere Kinder zur falschen Zeit am falschen Ort?“ Das Gefühl, dass wir in Sicherheit leben,  wird uns so schnell keiner zurückgeben.

Zur gleichen Zeit kommen Flüchtlinge zu uns.  Auch viele Muslime.  Sie kommen so zahlreich nach Deutschland,  weil andere Länder in Europa ihnen die  Aufnahme verweigern.  Die Aufgabe ist riesig und übersteigt an manchen Orten schon die Kräfte. Die Willkommenskultur ist auf die Probe gestellt.  Viele selbsternannte Retter des christlichen Abendlandes  werden nun behaupten, dass die Muslime an allem Schuld sind, und dass auch wir die Grenzen schließen müssen. Aber die Wahrheit ist eine andere: Die Flüchtlinge, die zu uns kommen,  fliehen genau vor jener Gewalt, die jetzt auch Paris betroffen hat.  In den Kriegsgebieten in Syrien und im Irak kann der Tod jeden Tag zuschlagen. Völlig willkürlich. Das syrische Assad-Regime wirft Streubomben auf die eigene Bevölkerung.  In Bagdad und anderen Städten des Irak sprengen sich an belebten Orten Selbstmordattentäter in die Luft. Seit  vielen Jahren geht das so. Es hat die Menschen mürbe gemacht und ihnen jede Hoffnung auf Besserung geraubt. 

Wir leben in unsicheren Zeiten. Alle Gewissheiten, die unser Leben ausmachen, scheinen zu zerbrechen. Kürzlich haben mich zwei Kinder sehr angerührt, die Ihr Herz ausschütteten und hemmungslos weinten über die Not in der Welt. Sie hatten Angst,  dass auch ihre Familie irgendwann von der Gewalt getroffen wird.

In solche Zeiten hinein verkünden die Engel  Gottes in diesem Jahr die Weihnachtsbotschaft: „Fürchtet euch nicht! Siehe, ich verkünde euch große Freude, die allem Volk widerfahren wird: Euch ist heute der Heiland geboren!“  Sie gilt allen Menschen auf Erden.

Gemeinsam mit Ihnen in Quakenbrück möchte ich  weiter nach der frohen Botschaft suchen und Orte finden, die uns fröhlich machen, und Orte schaffen, die wir fröhlich machen. Gott zählt auf uns.

Ich wünsche Ihnen allen, auch im Namen meiner Familie, im Namen des Kirchenvorstandes, im Namen aller haupt- und ehrenamtlichen Mitarbeiter/inne  von St. Sylvester eine gesegnete Weihnachtszeit und einen behüteten Übergang ins Jahr 2016

Ihr

Pastor Wolfgang Thon-Breuker