In den vergangenen Wochen sei eine Vielzahl von Gesprächen geführt worden, wie der Stadtdirektor auf Anfrage unserer Redaktion berichtete. Daran seien Stadt Quakenbrück, Samtgemeinde Artland, Vertreter des Denkmalschutzes, des Landkreises Osnabrück, des Heimatvereins Quakenbrück, des Kreisheimatbundes Bersenbrück (KHBB), der Kirchengemeinde St. Sylvester, der Eigentümer des Hauses sowie Vertreter des Niedersächsischen Ministeriums für Wissenschaft und Kultur beteiligt gewesen. „Es ist noch eine Vielzahl von Fragen zu klären“, so Poppe.

Die Forderung der CDU-Stadtratsfraktion, die in der vergangenen Woche gefordert hatte, das Geburtshaus des in Quakenbrück geborenen Reformators Hermann Bonnus bis zum Jubiläumsjahr 500 Jahre Reformation im Jahr 2017 zu restaurieren, sei nicht neu und beschäftige die Stadtverwaltung schon seit längerer Zeit, so Poppe. Er freue sich in dieser „komplizierten Angelegenheit“ über jede Unterstützung. Erste vorläufige Ergebnisse der bisherigen Zusammenkünfte sind in einem Exposé zusammengefasst, das die Denkmalschutzbehörde des Landkreises entworfen hat.

In den kommenden Wochen und Monaten gibt es nach Angaben des Stadtdirektors allerdings noch eine Vielzahl an Aufgaben abzuarbeiten. Zunächst müsse mit dem Eigentümer des Gebäudes über den Verkauf verhandelt werden. Erste Gespräche seien vereinbart. „Genauso wichtig ist, einen Träger zu finden, der sich um Nutzung und Verwaltung des Hermann-Bonnus-Geburtstshauses kümmert“, sagte Poppe. Eine Stiftung, wie sie die CDU-Stadtratsfraktion angeregt hatte, sei denkbar. Er favorisiere aber einen Zweckverband oder einen Trägerverein mit regionalen Akteuren.

Dann müsse ein Ausstellungs- und Nutzungskonzept für das Haus gefunden werden. Klar ist nach den Worten des Stadtdirektors unter den Beteiligten, dass im Erdgeschoss des Fachwerkhauses das Leben und Wirken des Reformators und der Reformation einen großen Raum einnimmt. Dabei sollen auch regionale Besonderheiten der Reformation wie das „Badberger Simultaneum“ beleuchtet werden. Aber auch die Baugeschichte des Gebäudes soll präsentiert werden.

Bei der weiteren Nutzung des Hauses, das derzeit ein Schattendasein fristet, gibt es zurzeit mehrere Varianten, eine Entscheidung ist jedoch noch nicht gefallen. Denkbar sind eine Hausmeisterwohnung, eine Art Pilgerherberge mit zwei kleineren Appartements oder ein Café mit einer Sommerterrasse im Garten der angrenzenden St.-Sylvester-Gemeinde.

Bei der Suche nach einer Lösung drängt allerdings die Zeit. Bereits im Oktober 2012 hatte der Deutsche Bundestag zugesagt, Mittel in Höhe von 150000 Euro aus der Baudenkmalpflege für die dringend erforderliche Sanierung bereitzustellen. „Die Antragsfrist endet im Mai“, erläuterte Claus Peter Poppe. Bis dahin müssten die offenen Fragen geklärt sein und ein tragfähiges Konzept vorliegen. Das sei angesichts der komplizierten Umstände „sehr ambitioniert“.

Der Stadtdirektor und auch Bürgermeister Paul Gärtner sind aber optimistisch, bis dahin eine Lösung zu finden. „Das Hermann-Bonnus-Geburtshaus wird eine Bereicherung für die Stadt“, so Gärtner.

 

Der Denkmalschutz kommt nach eingehenden Untersuchungen zu dem Schluss, dass das Hermann-Bonnus-Geburtshaus in der Goldstraße zu den ältesten in der Stadt Quakenbrück gehört. Untersuchungen des Gebälks ergaben, dass das Haus aus dem Jahr 1499 stammt und in den folgenden Jahrhunderten umgebaut und erweitert wurde. Besonders erhaltenswert sind nach Expertenangaben der Treppenaufgang aus dem Jahr 1777 sowie die Stuckdecken mit barocken Elementen.cg