Der erste König kniet vor dem Kind und betet es an. Die anderen zwei werden gleich folgen. Endlich sind sie am Ziel. Lange waren sie unterwegs. Mancher Weg hatte sie in die Irre geführt.  Zuvor hatten sie bei König Herodes in Jerusalem angefragt: „Wo ist der neugeborenen König der Juden? Wir folgten seinen Stern.“

Doch da hatten die Könige aus dem Morgenland den Falschen gefragt.  König Herodes wusste die Antwort nicht. Allerdings verunsicherte ihn die Frage ihn sehr.

Auch wir modernen Menschen sind auf der Suche. Wir fragen: Wozu lebe ich? Was ist der Sinn?  Wir  haben eine tiefe Sehnsucht nach dem Grund ihres Seins. Doch ständig werden wir in unseren Suchbewegungen erschüttert

„Wer bin ich? Und wenn ja, wie viele?“ Dieser offensichtlich sinnlose Buchtitel -  das Buch war vor einigen Jahren ein Bestseller - beschreibt die Verunsicherung der modernen Menschen. In einem Meer von Möglichkeiten fühlen wir uns oft so seltsam verloren.

Die drei Könige waren Sternenforscher - vielleicht die klügsten Menschen ihrer Zeit. Sie verfügten über erstes astronomisches und astrologisches Wissen. Heute lassen wir uns nicht mehr von den Sternen leiten. Seit wenigen Jahren gibt es das „GPS“ als Ortungssignal. Wir nutzen inzwischen  Navigationssysteme als wären sie ein Selbstverständlichkeit. Die technischen Errungenschaften eröffnen uns Möglichkeiten der Vernetzung und  der Kommunikation, die uns vor kurzem noch unfassbar schienen. Nichts scheint unmöglich. Aber unsere innere Gewissheit und auch unsere Glaubensgewissheit und unsere innere Frömmigkeit bleiben von den technischen Errungenschaften seltsam unberührt. Manchmal spiele ich mit dem GPS-System auf meinem Smartphone. Ich kann feststellen, wo ich bin. Ich kann auch abbilden, wo ich bin. Obwohl ich eigentlich weiß, wo ich bin,  schau ich mir gerne an, wo ich bin. Auf dem Stadtplan von Quakenbrück erscheint dann ein kleines Foto von mir. Wenn ich den Bildausschnitt verändere,  sehe ich mich in einem größeren Zusammenhang - mitten in Deutschland, mitten in Europe oder, wenn ich die Erde von außen betrachte, mitten auf der Nordhalbkugel. Aber mitten in all der Vernetzung, die heute möglich ist,  bleibe ich - oder darf ich sagen "bleiben wir"  - oft seltsam allein.

Weiß ich wirklich, wo ich bin? Weiß ich wirklich, wo ich hingehöre?

Oder bin ich eine verlorene Seele in den Weiten des Universums, die forscht und forscht und sich immer weiter von dem Geist und von der Wahrheit  entfernt?

Die Könige aus dem Morgenland hatten schließlich ohne Herodes die Antwort gefunden: Der Stern führte sie damals zum Stall von Bethlehem. Für die drei Könige wurde das Christfest zu Bethlehem die Sternstunde ihres Lebens.